Allgemein, Für den Kopf

Fremdgeher Pt.4 – Monogamie, offene Beziehung oder doch Single?

Lucy

So zivilisiert wir auch sein mögen und so poetisch der Platz ist, den die Liebe in unserer Kultur eingenommen hat: Gewisse Vorgänge in unserem Körper bleiben chemisch und hormonell gesteuert und unser Ego kann einen dermaßen großen Platz in unserem Leben einnehmen, dass wir andere auf unserem Weg verletzen, wenn auch unabsichtlich.

Denn keiner möchte das wirklich und so geht auch Niemand fremd, um einem anderen weh zu tun, sondern um sich selbst was Gutes zu tun. Vor allem Partner mit niedrigem oder übersteigertem Selbstwertgefühl brauchen sexuelle Anerkennung. Und so passiert es ständig, zu jeder Zeit auf der Welt. Eine Affäre, ohne jegliche Verpflichtung, fühlt sich am Anfang eben auch noch prickelnd an.

Am Ende bleiben aber bei Personen, die ein bisschen Restmoral besitzen, quälende Schuldgefühle. Diese können, auch ohne bekannt werden der Affäre, Spannungen in der Beziehung auslösen. Nicht selten unterstellt der Fremdgeher seiner besseren Hälfte permanent selbst die Untreue, um sich nicht mehr alleine dermaßen schlecht und schuldig zu fühlen. Mit ständigen Vorwürfen dieser Art kann man übrigens einen Menschen auch zu etwas drängen – das Phänomen der Selbsterfüllenden Prophezeiung  aus dem engl. self-fulfilling prophecy (SFP).

Der Fehltritt kann unter Umständen auch raus kommen und die Standfestigkeit der Beziehung steht plötzlich auf dem Prüfstand. Oder eine dauerhafte heimliche Liebschaft endet, da sich einer von beiden verliebt. Es ist kein seltenes Phänomen, dass aus einer rein körperlichen Verbindung mehr wird.

Ist der Bindungswunsch beim Menschen am Ende stärker als sein natürlicher Sexualtrieb?

Fremdgeher

Viele würden darauf ein sehr deutliches „Nein!“ entgegnen, besonders wenn man sexuelle Freigeister oder manch einen klugen Wissenschaftler fragt. Biologe und Evolutionspsychologe David Barash ist ebenfalls die Meinung, Monogamie beim Menschen sei unnatürlich. Allerdings denkt er die sogenannte serielle Monogamie, das heißt mehrere aufeinander folgende monogame Beziehungen, könnte funktionieren.

Seine Erklärung dazu: Monogamie sei zwar wider die Natur, jedoch habe der Mensch ein hormonell und neuronal bedingtes Bedürfnis nach Bindung innewohnend. Und ich muss zugeben, auch ich machte diesen Gedankengang bereits. Wie ich darauf kam?

Nunja, wir kennen doch alle diese Situation: Nach dem Ende einer tragischen Liebesgeschichte ist man meist erst einmal ein emotionales Wrack. Von „Ich will dich zurück!!!!“ bis hin zu „Wäre ich dir nur nie Begegnet!!!!“ decken unsere Wünsche oft die volle Bandbreite einer Gefühlspalette ab.
Aber legt sich dann der erste Sturm, nüchterner betrachtet, würde ich es jederzeit bevorzugen, geliebt und verloren zu haben, als niemals Liebe in meinem Leben begegnet zu sein. Ich möchte es nicht missen, geschätzt und begehrt worden zu sein, nicht auf die Erfahrung verzichten, selbst aus vollem Herzen geliebt zu haben, auch mit Verfallsdatum.

Demnach lebe ich persönlich lieber eine serielle Monogamie, als gar keine! Im Laufe der Jahre änderte sich die Formulierung meiner Hoffnung somit von: „Die Liebe meines Lebens, bitte bald.“, zum weit tiefer Greifenden: „Ein netter Lebensabschnittsgeführte wäre schön!“

Lucy
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Ist es also doch nur die besagte serielle Monogamie, die für uns funktioniert?! Kommt ein Partner nach dem Anderen und ist das völlig in Ordnung so? Schenkt man den Biologen Glauben?

Also nichts als pure Naivität, der Überzeugung verfallen zu sein, der Mensch könne ewig treu sein und dazu noch die eine Person lieben und schätzen bis ans Ende?

Allerdings wäre es, laut der These des Biologen, ebenso falsch zu glauben, wir können dauerhaft zufrieden sein ohne eine feste, exklusive Zweierbeziehung in unserem Leben (aufgrund unseres hormonellen und neuronalem Bedürfnis nach Bindung). Also was denn nun?! Bindung – ja, Treue – nein? Oder doch „Ja“ zu beidem (aber nur auf Zeit)?!

Lucy
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Eine offene Beziehung wäre auch eine Option, wenn das Interesse an Sex außerhalb der Partnerschaft bei den Protagonisten allzu stark ist oder sie im Laufe ihres Lebens gemerkt haben, dass klassische, konventionelle Beziehungsformen für sie nicht funktionieren.

Aber das ist hierzulande nicht stark verbreitet. Viele fürchten, dass sie Schuldgefühle plagen werden, trotz der Abmachungen oder Eifersucht die Beziehung mit der Zeit doch zerfrisst. Das wagen sie nicht zu versuchen. Summa summarum verbleiben sie in ihrer einengenden Beziehung und die Libido brodelt in ihnen wie in einem Vulkan.

Für viele Menschen käme es aber auch nie in Frage, den geliebten Partner mit anderen zu teilen oder sich selbst auf Außenstehende einzulassen. Auch ich hatte noch nie das Bedürfnis nach andren, während ich mich in einer Beziehung befand. Allerdings habe ich auch noch keine 10-, 20-, 30-jährige Beziehung geführt. Nichtsdestotrotz kann ich mir eine offene Beziehung schwer vorstellen.

Also lieber doch die gute alte Monogamie?! Aber wieso scheinen monogame Beziehungen auch ohne Treuebruch immer wieder zu scheitern?!

Fremdgeher

„We are the reckless, We are the wild youth“

– Daugter „Youth“

Nun ja, es ist ein trauriges Phänomen der Neuzeit, sich immer nach besseren, neuen Optionen umzuschauen und durch die große Auswahl eine Partnerschaft schneller zu beenden. Darüber philosophierte ich bereits in meinem Beitrag über die Rahmenbedingungen einer „romantischen Liebe“ zu Zeiten des Kapitalismus. (hier gehts zum Beitrag)

Doch das alleine reicht nicht aus als Begründungen, warum so viele monogame Beziehungen enden und dann auch noch oft so zeitig. Also grübelte ich weiter. Die erleuchtende Einsicht kam unverhofft: Während meines Studiums las ich ein Buch als Pflichtlektüre, das mir viele Antworten geben konnte. Immer wieder führte auch  ich Beziehungen, die nach relativ kurzer Zeit endeten, ob nun von meiner Seite oder der anderen ausgehend. Was sich am Anfang absolut richtig und passend „wie Arsch auf Eimer“ anfühlte, führte schnell zu unüberwindbaren Differenzen.

Fremdgeher

Wie konnte das sein? Wähle ich falsch aus oder prüfe Kandidaten nicht gut genug? Die Fragen drehten sich nach jeder Trennung in meinem Kopf.

Aber auch eine längere Kennenlernphase oder das genaue Abchecken wichtiger moralischer Einstellungen und Ansichten änderte nichts. Manche Beziehungen scheinen schlichtweg zum Scheitern verdammt. Aber warum nur?

Laut dem besagten Buch, müssen zwei Abschnitte einer Partnerschaft gesondert betrachtet werden: Der erste Abschnitt beinhaltet die Zeit des spannenden, prickelnden Kennenlernens (1). In dieser Phase ist die Liebe eigentlich keine richtige Liebe, sondern kann eher als ein „Verliebtsein“ bezeichnet werden. Nach dieser Zeit des Kennenlernens und des Verliebseins kommt erst die eigentliche Beziehung (2), die Zeit der hoffentlich beständigen Liebe.

Ja ok, das klingt logisch und in gewisser Weise wussten wir es bereits. Wir kennen diese Phasen. Wissen, dass sich am Anfang alles noch anders anfühlt als zum Ende hin. Aber warum wird so oft aus dem Verlieben nicht mehr?? Es fühlte sich doch alles so richtig an, man war vertraut miteinander und sich so nah… Und vom einen auf den anderen Tag ist alles anders. Als wäre da nie was gewesen, lebt man ohneeinander weiter. Vom Fremden zur engsten Bezugsperson, wieder zurück zum Fremden?! Was ist das für ein verwirrendes Spiel?!

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Zu anfangs, in der Zeit des Verliebseins, reagiert unser Körper mit der Ausschüttung von chemischen Botenstoffen und der Verknüpfung neuer neuronaler Verbindungen, die unseren Verstand völlig benebeln und uns in einem Rausch von Glückszuständen versetzen. Natürlich passiert das Alles fern unseres bewussten Wissens. Wir verspüren nur Schmetterlinge im Bauch, zittrige Hände und weiche Knie – aka: einen Hormoncocktail aus u.a. Dopamin, Oxytocin, Adrenalin und auch Neurotrophin. Diese Abläufe dienen von Seiten der Natur schlichtweg zur Erhaltung unserer Art.

Oxytocin ist das Zauberwort. Ausgeschüttet beim Sex, hat es bereits während des Aktes eine luststeigernde Wirkung auf Männer und Frauen. Nach dem Sex trägt ein Oxytocinschub bei beiden Partnern zum Gefühl der Verbundenheit bei. Doch Oxytocin kann scheinbar noch mehr: Es erzeugt Gefühle wie Liebe, Verlangen, Vertrauen und Glück – und sorgt in einer Partnerschaft auch für Treue.
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Doch wenn nun alles eingeleitet wurde, was zur Paarung und Bindung erforderlich ist und die Botenstoffe ihre Wirkung erzielt haben, sollte der Nachwuchs gesichert sein. Jucha ! – Die Art bleibt erhalten! Was danach von Nöten ist, dass sind sicher nicht mehr zwei durch den Rausch der leidenschaftlichen Liebe benebelte Menschen, sondern nunmehr nüchtern und rational denkende Eltern, die sich mit wieder kühlen und klaren Kopf der Betreuung des Nachwuchses widmen. Um dieses zu gewährleisten, werden von der geschickten Natur alle Botenstoffe meistens nach wenigen Monaten, spätestens nach einem Jahr, wieder auf das Ausgangsniveau zurückgefahren.

Fakt sei nun, schreibt die Psychologin Gerti Senger in Schattenliebe, dass die sexuelle Triebkraft und das Begehren nach dem anderen nur im ersten Beziehungsjahr konstant hoch seien. Danach sorgen sexuelle Gewöhnung und Beziehungsalltag für permanente Reizminderung. Was wir täglich sehen, spüren und fühlen, kann uns nach einer Weile nicht mehr so reizen wie Unbekanntes.

Gerade in dieser Phase zeigen sich die wahren Charaktere der beiden Liebhaber: Man möchte nicht mehr unter allen Umständen gefallen wie zu anfangs, kehrt zu alten Verhaltensweisen und Vorlieben zurück. Manch ein charismatischer, aufmerksamer Charmeur wird zum stumpfen, saufenden Fußballfan, verbringt seine Zeit auf einmal lieber mit Kumpels. Oder ein „gerne verzichtender“ Esser, besteht plötzlich auf „sein Fleisch“ auf dem Speiseplan. Die Auserwählte kann auch plötzlich einen zwanghaften Ordnungswahn an den Tag legen oder ihr wahres, dauernörgelndes Ich zeigen. Alles ist möglich!!

Wir finden all die liebenswerten Marotten unseres Partners, die wir anfangs milde belächelt haben, mittlerweile nur noch nervig. Der Alltag kann ein echter Glückskiller sein.

In der einen oder anderen Beziehung kommt dann die überfällige Einsicht, dass man eigentlich mehr blind vor Liebe war und doch gar nicht wirklich zueinander passt. – So, wie es quasi auch mir erging mit manchen meiner Exfreunde. Es folgt die Trennung und mit der Zeit eine erneute Liebe. Die dann, wenn man nicht anfägt besser auszuwählen, oft auch nicht wesentlich anders endet. Schon befinden wir uns im System der seriellen Monogamie.

Zum Glück sind wir Menschen heutzutage aber nicht nur Sklaven unserer Hormone. Auch wenn man sich zu einem Menschen hingezogen fühlt, kann man einen gewissen Einfluss auf den gemeinsamen Verlauf nehmen. Denn wenn die Hormone einen völlig unpassenden Menschen attraktiv finden, ist dies keine gute Basis für eine längerfristige Beziehung. Höchstens für eine flüchtige Verliebtheit wird es reichen, die schnell wieder erlischt.

So wird ein überzeugter Gigolo wohl keine Zukunft mit einer Frau mit starkem Familienwunsch haben (Promiskuität vs. überzeugte Monogamie), ein gebildeter Mensch auf Dauer kaum mit jemandem glücklich, der ihn / sie geistig nicht fordert. Logisch: Wer einen gewissen Wert auf niveauvolle Unterhaltung und kulturelle Angebote legt, braucht einen Partner, der mithalten kann. Und oh Gott, was ich schon für Dumpfbacken gedatet habe, sage ich euch!! Ich habe mich wohl auch oft mehr von Hormonen als Köpfchen leiten lassen…

Wir lernen also: Je ähnlicher die Partner sich in Interessen und Bildung sind, desto haltbarer wird die Beziehung. Im Alltag ergeben sich ansonsten zu viele Streitpunkte aufgrund unterschiedlicher Einstellungen und es geht zwangsläufig irgendwann zu Bruch.

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Andere trennen sich (im oft fortschreitenden Alter) trotz einer unpassenden Konstellation nicht sofort, wenn Probleme auftauchen. Sie raufen sich stattdessen zusammen und leben so mehr schlecht als recht nebeneinander her, oft mit dem quälenden Gefühl am wahren Leben, an der wahren Liebe und am wahren Glück vorbei gegangen zu sein, denn sie wissen ja noch dunkel, wie sich Verliebtsein und Leidenschaft anfühlt.

Vielleicht ist das Einzige, was sie nun noch zusammenhält, die gemeinsamen Pflichten: Die Aufzucht der Kinder oder das Abtragen der Schulden fürs Häuschen. Schafft es ein Paar nicht, sich jenseits des Alltags immer wieder Zeiten zu organisieren, in denen sie sich als Mann und Frau erleben können und bleiben viele Konflikte ungelöst, erstarrt die Liebe unweigerlich.

Viele dieser traurigen Tropfe verlieren sich in der Träumerei, dass es Jemanden da draußen gibt, der ihnen dauerhaft dieses Verliebtsein-Gefühl vermitteln kann, eben die „eine wahre Liebe des Lebens“, aus: „…und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.“  Vielleicht gehen sie fremd, in der Hoffnung sie so zu finden, mit der Sicherheit der laufenden Beziehung in der Hinterhand.

Schaut man in diese deprimierenden Umstände, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Frauen jenseits der vierzig einen Geliebten suchen und den Partner nach einiger Zeit verlassen. Die Kinder werden größer und unabhängiger und die Defizite der Partnerschaft immer offensichtlicher. Viele Frauen ziehen in dieser Situation einen Schlussstrich und beginnen noch einmal ein Neues Leben. Männer hingegen tendieren eher dazu Dreiecksbeziehungen über lange Zeit geheim aufrechtzuerhalten. Sie wollen sich nicht entscheiden und versuchen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

Fremdgeher

Doch dann gibt auch noch diejenigen, die nicht resignieren, sondern sich auch weiterhin bemühen das Beste aus ihrer gemeinsamen Beziehung zu machen. Bei diesen ist ebenfalls die Zeit der romantischen Liebe vorbei, die Botenstoffe sind längst abgebaut und auf Normalniveau herunter gefahren, nicht aber die einmal geknüpften neuronalen Nervenverbindungen. – Diese bleiben bestehen.

Schöne Erlebnisse und zusammen gemeisterte Schicksale bleiben in der Erinnerung erhalten und verbinden ein Leben lang, bei jedem späteren Gedanken an diese. Zwar hat sich auch hier die euphorische, romantische Liebe verflüchtigt, was jedoch nicht zwangsläufig bedeutet, keine romantischen Erlebnisse und Gefühle mehr genießen zu können. Im Idealfall weichen dem heftigen Begehren tiefe Verbundenheitsgefühle – und die sind ja bekanntlich für eine dauerhafte Partnerschaft tauglicher als eine unstillbare Sexgier. Eine funktionierende Monogamie scheint in greifbarer Nähe!

Lucy

Zusammenfassend kann man also sagen:

Wählt man sich einen passenden Partner (1);
legt den aktuell beliebten Wunsch nach einem ständig neuen, prickelnden Abenteuer,
den zwanghaften Gedanken: „Irgendwo ist eine bessere Option“, ab (2)
und arrangiert sich so mit einer exklusiven, beständigen, liebevollen Partnerschaft
mit all ihren unschlagbaren Vorzügen und auch Bedingungen (3);
schafft dann zudem eine andauernde körperliche Komponente,
die dafür sorgt, dass weiterhin Oxytocin ausschüttet wird (4)
und packt außerdem eine ehrliche Kommunikation (5),

kann eine treue, dauerhaft bestehende und auch glückliche Beziehung möglich sein.

Den Traumprinzen oder die Prinzessin einfach finden, sich zurücklehnen und den Rest seines Lebens in Harmonie verbringen, funktioniert so nur in Märchen, Liebesliedern oder kitschigen Spielfilmen aus Holly- oder noch besser: Bollywood. Im realen Leben bedeutet „bis ans Ende unserer Tage“: Reflektion, Kompromisse und gemeinsamer Wachstum, Alltagsrituale, gegenseitige Anerkennung, Zuneigung und Offenheit.

Lucy

Also nicht bei der ersten Meinungsverschiedenheit gleich aufgeben! Damit verbaut man sich jede Chance auf eine erwachsene Beziehung und persönlichen sowie gemeinschaftlichen Wachstum. Stattdessen wenn die erste euphorische Verliebtheit abschwingt einmal ehrlich reflektieren, ob man da einen dieser wertvollen, besonderen Menschen vor sich hat, mit der oder dem man auch noch in 20Jahren lachen und weinen möchte. Liebe ist es also, wenn man sich bewusst füreinander entscheidet, nach dem Ablegen der rosaroten (Hormonüberschuss-)Brille.

Ich habe schon unzählige Berichte von Menschen gehört, die es bereut haben irgendwann im Leben nicht mehr investiert, sich mehr Mühe gegeben zu haben. Werdet bloß nicht einer von ihnen! Nichts ist schlimmer, als ein Leben lang zurück zu denken und sich zu fragen, was hätte sein können!

Fremdgeher

Leicht wird es nicht sein. Es gibt immer schwere und schöne Zeiten bei den Dingen im Leben, die es wert sind in sie zu investieren. Und wer will schon Monotonie?! Treue und dauerhaftes Glück sind also unter Berücksichtigung verschiedener Bedingungen durchaus möglich.

Evolutionsbiologen sagen aber auch klipp und klar: Unsere kurze Kulturzeit kann nicht Millionen Jahre biologische Entwicklung ohne Weiteres kompensieren, die Männer und Frauen gleichermaßen lustbetont orientierte, um möglichst viele gesunde Nachkommen zu zeugen. Der Gedanke an sexuelle Ausflüge kann also aufkommen. Was man damit anstellt ist allerdings die Frage und macht den großen Unterschied.

Lucy
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Viele betrachten exklusiven Sex zwischen zwei Partnern und Treu-sein ganz trocken als einen naiven Kult unserer Zeit; zum vermeintlichen Alltag geworden in der Romantik; ein propagiertes, aber kaum gelebtes Ideal während der Römerzeit; etwas das unseren Vorfahren dazu diente, ein sicheres Heim für die Nachkommen zu schaffen. (Wie im Teil 3 der Reihe erläutert) Doch nicht jeder mag jeden Trend und nicht jeder sucht sich mehr Partner aufgrund ihrer potenziellen elterlichen Fähigkeiten.

Lucy

Wir leben in einer verhältnismäßig liberalen Zeit der frei-verfügbaren Empfängnisverhütung, in der Sex nicht ausschließlich der Fortpflanzung dient und Partnerschaften nicht mehr nur wegen wirtschaftlicher Vorzüge eingegangen werden. Während viele homosexuelle Pärchen immer noch um das Recht auf Adoption kämpfen, wollen viele von uns überhaupt keine Kinder mehr. Das ist die Moderne! – Wir leben uns aus, probieren uns aus, sind wie getrieben ständig auf der Suche nach was Besserem, Neuem, Spannenderem. Kaum einer fühlt sich mehr angekommen irgendwo oder bei irgendwem.

Manche beobachten die Entwicklungen auch mit Sorge und befürchten, wir entwickeln uns zu bindungsunfähigen, selbstverliebten Egoisten, die stets nur nach Selbstverwirklichung streben oder nach Ablenkung von unseren Selbstzweifeln durch Anerkennung. – Suchende, die einfach kein Ende finden, immer denkend, da wartet noch eine bessere Option um die Ecke, die dabei unzählige Beziehungsleichen auf dem Weg zurück lassen.

„Der Narzisst begegnet uns immer häufiger, manchmal sogar im eigenen Spiegelbild“, behauptete dazu der österreichische Psychiater Reinhard Haller in seinem Buch Die Narzissmusfalle. Und das ist nichts Neues! Schon im Jahr 1979 rief der amerikanische Historiker Christopher Lasch „Das Zeitalter des Narzissmus“ aus.

Fremdgeher

Doch trotz der beunruhigenden Entwicklungen, wir haben uns auch frei gemacht von der Lebensweise unserer Großeltern, die zu Kriegs- oder Nachkriegszeiten hauptsächlich eine finanziell „gute Partie“ im direkten Umfeld suchten und der Biografie unserer Eltern, die meist schon mit unerfahrenen 18-20 Jahren verheiratet waren und schnell mehrere Kinder in die Welt setzten, sich nun mit 40 oder 50 alle scheiden lassen und versuchen endlich einmal wirklich zu leben.

Nun haben wir mehr Freiheiten. Aber wo treiben uns diese neuen Möglichkeiten und Anforderungen hin?! Wie sieht dieses ideale, moderne Leben aus?!

Das eine ideale Konzept für Jedermann gibt es nicht! Wenn man offen und ehrlich mit seinen Bedürfnissen und Absichten umgeht, soll doch Jeder sein Leben leben, wie es ihnen beliebt.

Lucy

Viele genießen es, sich ausgiebig sexuell zu erproben, bevor sie überhaupt an feste Bindung oder Familienplanung denken. Tinder und Co. machens möglich! Manch einer weiß schon, keine Familie zu wollen, sei es weil ihnen die Karriere Prämisse ist oder weil sie schlichtweg keinen Bedarf nach eigenem Nachwuchs verspüren. – Auch das eine Option!

Mehr und mehr entscheiden sich auch phasenweise oder längerfristig bewusst für ein Singleleben. Der einst als romatisch geltende Gedanke „Ohne (m)einen Partner bin ich nur halb“ findet mehr und mehr Ablehnung. Wir wollen uns nicht mehr einreden lassen halbe Menschen zu sein ohne eine gesellschaftlich akzeptierte Beziehung!! Aktuelle Studien belegen obendrein, dass sich immer mehr junge Frauen für Hunde statt eigene Kinder entscheiden. – Finde ich nachvollziehbar. (>‿◠)

Vielen Menschen tut auch die Tatsache gut, dass ihr Partner nur mit ihnen Sex hat, dass sie sich lieben und sie den Großteil ihres Lebens gemeinsam verbringen, sie keine Konkurrenz oder Eifersüchteleien fürchten müssen durch außereheliche Abenteuer. Was manche Freigeister einengt, gibt anderen das Gefühl, etwas Einzigartiges zu haben, etwas Exklusives, etwas ganz Besonderes einfach.

Wenn Treue Spaß macht, dann ist es Liebe.“

–  Weisheit aus China

Man kann nie wissen wie das Leben in einem Jahr aussieht oder in einem Monat…oder auch nur einer Woche. Unsere Zeit ist so begrenzt und kann schnell zu Ende gehen. Und selbst wenn ihr nicht gleich aus dem Leben scheidet, kann euch auch ein Schicksalsschlag ins Unglück stürzen. Ihr solltet nicht in Sorge leben, euch permanent den Kopf zerbrechen was passieren könnte, ob ihr in der neuen Beziehung nun wieder hintergangen werdet oder nicht.

Lebt und liebt stattdessen, ergreift Chancen und probiert euch aus. Wählt aber auch weise und nicht nur hormonell getrieben.  (>‿◠) Und verliert euch nicht in dem Gedanken, dass es immer etwas Besseres gibt. Vielleicht habt ihr da bereits einen Diamanten vor euch, neben euch, bei euch…

Wählt einen Lebensweg, der euch und nicht anderen gefällt! Aber vergesst auch nicht dabei, ehrlich und fair zu sein; so mit anderen umzugehen, wie ihr es auch für euch wünschen würdet. Betrogen / durch Vertrauensbrüche verletzt zu werden, hat wirklich niemand verdient ! Wir müssen alle lernen verantwortungsvoll mit den aktuellen Gegebenheiten unserer Zeit umzugehen.

Niemand kann etwas dafür, wenn Gefühle erkalten und die Liebe verblaßt. Wohl aber kann jeder die Art und Weise der Trennung bestimmen.“

– Damaris Wieser

Lucy

Quellen: Buch „Es war doch nur Sex. Seitensprung – ein altes neues Verlangen“ – Andrea Bräu | Ananda Grade – www.femininleben.ch/ | www.medizinius.de | www.seitensprung-fibel.de | www.meridianerland.com – Verlag Horst Müller – Stendal – 2006 / 2016

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17 Kommentare auf "Fremdgeher Pt.4 – Monogamie, offene Beziehung oder doch Single?"

Hut ab, dieser Vierteiler bringt so ziemlich alles aus den Punkt was ich in den letzten Jahren selber schmerzhaft erfahren musste und noch deutlich mehr !
Mir sind schon zu oft Frauen in mein Leben getreten, die sowohl Bindungs, als auch Selbstwertprobleme als auch Lebenskrisen (z.B. midlife-crisis nach einer jung geschlossenen Ehe) oder auch Borderlinestörungen hatten… Und ich hab jedes Mal nach den „Beziehungen“, „heimlichen Affären“ oder ihren Seitensprüngen,für die ich herhalten musste, tiefste Krisen, geplagt von jeder Menge selbstzweifel und regelrechtem körperlichen Entzug und Gebrechen in Kauf nehmen müssen.
Ich hab zum Beispiel niemals verstanden warum man fremd geht oder warum der Partner, mit dem man bricht, zu lieb sei – das wird niemals in meine persönliche Moralvorstellung als auch in mein Weltbild passen !

Und glaub mir, ich hab beide Seiten in der Familie kennen gelernt – sowohl bedingungslose Liebe, Beistand in tiefen, lang anhaltenden Krisen und über 30 Jahre Beziehung, so wie es meine Eltern durchgemacht haben, als auch Lug und Betrug, Seitensprünge, Heimlichtuereien und unter den Tisch gekehrte ernsthafte Probleme bei sehr vielen Verwandten.

Oft denk ich auch darüber nach, ob es auch in der heutigen Gesellschaft noch die „ideale“ Partnerin gibt, die nicht nur das, was ich kann, was ich mache oder was ich „bin“ gut findet, sondern auch meine Macken, Fehler und Unsicherheiten respektiert und achtet – so wie ich das bei ihr machen würde.
Aber wie du schon sagtest, oftmals wird nach was besserem gestrebt. Meines Erachtens wird das, grad wenn man nur auf einer konstanten Fehlersuche bei seinem Partner, also warum es nicht klappen sollte um jemand besseren zu finden, ist, vielleicht in ewigem Chaos oder in einer einer Sackgasse enden.

Auch hab ich mal darüber nachgedacht, ob ich nicht einfach im falschen Jahrhundert geboren bin und nicht doch eher eine Vernunftehe wie es z.B. sehr beliebt im europäischen Adel des 19. Jahrhunderts üblich war, hätte eingehen soll – reines Hirngespinst aber !!!
Wenn es nicht im Laufe der jahre mit allen Auf und Abs zusammenwächst, was taugt dann eine erzwungene Beziehung. Es kommt schließlich zusammen was zusammen gehört und ergo geht das auseinander, was nicht zusammengehört… Zumindest hoff ich es und um alles in der Welt, niemals möchte ich verbittern weil ich denke, dass es da draußen keine Partnerin für mich gibt – mein persönliches Glück sei niemals an eine Person gebunden, doch gegen eine Bindung zwischen zwei Personen, die circa das selbe vertreten und durch dick und dünn, Höhen und tiefen gehen, hätte ich absolut nichts, ich bin dafür jederzeit bereit, selbst zurück zu stecken und mich aufzuopfern. Nur möchte ich das auch von meiner Partnerin erwarten und niemals wieder betrogen oder ausgenutzt werden, nur weil ich das als selbstverständlich ansehe 😉
Und was absolut jedem mittlerweile klar sein sollte – Perfektion wird es niemals geben und es zu erstreben oder ses von seinem gegenüber zu erwarten führt nur ins absolute, verbissene Gegenteil 🙂

Nochmals danke für diesen wundervollen artikel bzw. für diese artikelreihe – sowohl Emotionen als auch recht wissenschaftliche Betrachtung fließen hier harmonisch ineinander ! 🙂
Find generell sehr sehr sehr viele deiner Posts auf dem Blog wunderbar !

L.G. Und vielen Dank,
Marvin

P.S: und nein, nicht jeder Musiker ist ein egoistisches Individuum mit seltsamer Eigenwahrnehmung 😀

Hallo liebe Melinda

Thema: Gertrieben und Gefangen in unseren Sehnsüchten und Verletzungen

Ich stieß heute auf Deine Blogs durch eine Zeitungsartikel über Dich und Dein „Leben“.
Danke für Deine Offenheit und die interessantenTheman die Du ansprichst und welche uns alle immer mehr bewegen.

„WIr suchen alle nach Glück und kommen doch von unseren Versuchen es zu finden enttäuscht und leer zurück“. So heißt ein Lied das mich sehr ansprach als ich es kürzlich hörte.
Und genau so erging es mir auch; ich wollte raus aus allen Fängen, wollte Glück und die richtige Frau, wollte nichts falsch machen denn das Leben ist ja kurz.
Doch wer so lebt läuft blank und so zerbrach ich nachdem ich alles versucht hatte glücklich zu werden. Zum Glück; denn dann wurde mir bewußt: Wenn mein Lebenssinn „Glücklich sein“ ist, dann muß das Glück von allen Umständen und Begebenheiten meines Lebens unabhängig sein oder alles ist sinnlos.

Zum Glück durfte ich erleben das alles Glück das wir suchen schon da ist und wurde in meinen teifsten Herzensgrund mit Liebe und Frieden erfüllt und erkannte erst einmal auf welchen Weg des Rennens und des Suchens ich eigentlich war, wo doch alles schon da ist was ich suchte.

Es war eine so tiefe Begegnung das mir klar war; für diese Liebe gibt es nur einen Begriff; Gott.
Doch wo war dieser Gott zu finden? Wo stellte er sich mir persönlich vor? Ich wollte mehr wissen über diese große Liebe! So suchte ich in der Wissenschaft und Philosophie, suchte nach der Erklärung des Lebens, nach der Erklärung der Liebe und konnte keine genaue Antwort finden. Wo offenbart sich Gott denn nun, wollte ich unbedingt wissen.
Dann begegnete mir ein Mann voller Liebe und sprach von Jesus, der gekommen sei um die Liebe Gottes selbst zu offenbaren und die Sünde zu vergeben die uns treibt und gefangen macht und davon abhält Gott zu erleben. Er sprach von Versöhnung und von Vergebung und von einem Neuanfang für einen Jeden Menschen. Das traf mich so tief und ich wußte; Jesus ist es was ich suchte und wem ich begegnet war. Er ist die Wahrheit und der Weg und das Leben. So stellt er sich in der Bibel vor und in Ihm können wir alle Antworten für unser ganz persönliches Leben finden. In aller Klarheit und Wahrheit.

Denn Jesus macht es deutlich; wir sind Knechte dessen, dessen Willen wir tun. Deshalb sind wir auch unbewußt so sehr getrieben und auf der Suche. Unsere Seele sehnt sich nach wahrer, unvergänglicher Liebe und wahrer Freiheit und nach wahrer Anerkennung. Doch dort wo sie sucht findet sie nicht das was sie braucht. Es ist ein Haschen nach Wind sagt Jesus. Und auf dem Weg des Haschens landen wir immer tiefer in derAbhängigkeit und im Getrieben sein und zerstören uns selbst und andere immer mehr. Anstatt wirklich herausgelöst zu werden und zu finden was wir suchen drehen wir uns im Kreis und werden leerer statt voller. Wir landen in vollkommener Verlorenheit und Sünde. Die Sünde aber zerstört und macht unsere Seelen alle kaputt und trennt immer mehr von dem was wir wirklich suchen und brauchen nämlich die Liebe Gottes welche uns frei macht und fähig macht das zu sein und das zu tun was wirklich richtig und gut ist. Ein Denken und Handeln das nicht auf unserem Suchen und damit auf Begierden und unserem Ego aufgebaut ist, sondern ein Denken und Handeln aufgebaut auf der Erfüllung der Liebe welche es ermöglicht aus einem reinen Herzen zu leben und welches uns allein glücklich machen kann. Ein reines Herz, das bedeutet erfüllt sein mit bedingungsloser Liebe wie sie nur Gott hat. Nur die bedingungslose Liebe macht wirklich frei. Und so sind wir heute alle, mal ganz ehrlich, am Boden zerstört. Doch Freiheit wird es nur für die geben welche die Sünde lassen und wieder mit reinem Herzen und aus der Vergebung Jesu vor sich selbst und vor Gott und vor anderen leben. Das ist die Antwort auf das Problem unserer Zeit. Die Antwort auf unser Verloren sein. Die Antwort und Erfüllung auf unsere Sehnsucht. Doch wir müssen umkehren. Hin zu Gott. Hin zu Jesus der für alle Verletzungen am Kreuz gestorben ist um uns frei zu kaufen von den Lasten der Verletzungen und Sünden die wir selbst getan haben und welche wir empfangen haben und welche uns zerstört haben und dessen Heilung wir uns ersehnen und doch in keinem anderen Finden können denn in Jesus. Wir selbst müssen Vergeben wo Vergebung notwendig ist und Gott selbst in unser Herz bitten. Nur wer die Liebe Gottes in sich trägt kann mit seinen Gaben Lebenssinn und Freiheit erfahren. Egal was seine Gaben und Fähigkeiten sind. Denn nur wenn ich schon habe und nicht mehr brauche bin ich frei. Bin ich eine Quellle des Gebens. Doch erkennen wir diese Getriebenheit?

Es ist Zeit für uns alle umzukehren und zu erkennen und ein neues Leben zu beginnen. 2016 nach Christus mit Christi Liebe in unseren Herzen zu leben. Eine Liebe die nicht an sich selber denkt sondern das tut was Gott in Liebe in Christus tat. Eine sich hingebende Liebe die allein zum Leben führt und im ewigen Leben mündet. Den Jesus ist auferstanden und er lebt noch heute im heiligen Geist und in Deinem Herzen wenn Du Ihn einlädst. Alles von Ihm in Dir, seine Güte, seine Barmherzigkeit, seine Treue, sein Langmut, seine Gnade. Lies eines der Evangelien, dort kannst Du Jesus aufs erste besser kenne lernen.

Was denkst Du? Melde Dich gern bei mir liebe Melinda ich wohne in der Lausitz. Wenn Du mehr von Jesus erfahren möchtest stehe ich DIr gern zur Verfügung. Schön das es Dich gibt. Gott hat großes mit Dir vor. Er hat Dich wunderbar gemacht.

Ganz liebe Grüße Donald

Und noch mal Hallo!
Deine Recherche ist mal wieder beeindruckend. Ich finde es schön wie du alles mit einander verbindest.
Ich denke auch man muss sich nicht an einen Stero Typen der Beziehungsformen klammern: weder ganz offen, noch komplett monogam. Stattdessen sollte man seine eigenen Bedürfnisse in der Beziehung klären und schauen wie man diese am besten stillt. Ich hatte inzwischen alle Formen einmal durch (lach – das klingt als wäre ich um die 80).
Aber so richtig schien nichts davon das richtige zu sein – mein aktueller Freund und ich bevorzugen es zu sagen: Wir lieben uns einfach.
Die Rahmenbedingungen entscheiden wir immer neu und immer so, dass wir beiden glücklich sind.
Ich denke das ist auch der Schlüssel für eine lange Beziehung – kein Druck, kein Stress und keine Ansprüche die zu hoch geschraubt sind.

Liebst
Justine
http://www.justinewynnegacy.de/

Hey tolle Fremdgeher -Vierlogie auf deinem Blog, ich find es schön dass Du dazu soviel recherchiert hast, gibt dem ganzen eine tolle Qualität.

Hi Mel,
ich bin heute eher zufällig auf deinen Blog gestoßen und habe deine 4 Posts zu diesem Thema geradezu verschlungen. Ich fand sie wahnsinnig interessant und vor allem nennen sie mal die Dinge beim Namen, die schon seit meinem letzten Beziehungsende in meinem Kopf rumspuken, ich mich aber nicht traue, sie auszusprechen. Vielleicht durch die Erwartungshaltung der Gesellschaft, wie du bereits erwähnt hast. Meine letzten zwei Beziehungen, die zugleich auch meine ersten „richtigen“ Beziehungen (=mit Sex) waren, fingen im Grunde genommen beide aus demselben Grunde an zu enden: ich hatte keine Lust mehr auf Sex. Bei der ersten Beziehung fing das nach 2, bei der zweiten nach 3 Jahren an. Nach beiden Trennungen und überstandenem Trennungsschmerz gestand ich mir aber ein, was ich im Zustand des Verliebtseins nicht einsehen wollte: ich hatte sehr wohl Lust auf Sex gehabt – nur nicht mit meinem Partner (ich bin aber noch nie fremdgegangen). Mein letzter Partner stand dies mehr oder weniger durch, bis er mir eines Tages eröffnete, dass er das Bedürfnis habe, eine offene Beziehung mit mir zu führen. Er erzählte mir davon, dass er mittlerweile davon überzeugt sei, der Mensch sei für die dauerhafte Monogamie nicht geschaffen, und dass er mich trotzdem über alles liebe und ich die eine für ihn bin. Für mich brach eine Welt zusammen und ich wollte das alles nicht hören – wie konnte denn ein Mann, der mir seine aufrichtige Liebe zugestand, das Bedürfnis haben, mit einer anderen Frau zu schlafen? Ich war davon überzeugt, dass seine neuen Gedankengänge meine Schuld waren. Bin ich eigentlich immer noch. Jetzt, 1 Jahr nachdem ich ausgezogen bin, will er mich immer noch zurück. Trotzdem ist er immer noch der Meinung, dass es ganz natürlich ist, dass man trotz harmonischer Beziehung das sexuelle Verlangen nach Anderen hat (klar, der Meinung bin ich irgendwie auch), und dass man das doch ausleben sollte (spätestens an dieser Stelle schaltete sich bei mir jedoch immer die Angst vor dem emotionalen Betrug ein). Was mich angeht, ich bin mittlerweile hin- und hergerissen. Ich liebe meinen Ex so wie er ist, er soll sich charakterlich niemals ändern und er fehlt mir auch. Jedoch habe ich kein sexuelles Verlangen mehr nach ihm. Und in letzter Zeit frage ich mich oft, ob sich in beiden Beziehungen letztendlich das in mir gezeigt hat, was ich in letzter Zeit in mir vermute: eine Art Unfähigkeit zur sexuellen Monogamie. Klar könnte man jetzt sagen, dass sich nur die Gedankengänge meines Exfreundes in meinen Kopf eingeschlichen haben. Jedoch habe ich den sexuellen Reiz an meinem Exfreund 1 ja auch schon nach einiger Zeit verloren. Und gerade in der Beziehung mit Exfreund 2 war alles perfekt. Er war immer gut zu mir, hat mich überrascht, war gebildet, selbstbewusst, überaus männlich, wollte wie ich keine Kinder und – wir sind ja unter uns – ist gut im Bett. Im Prinzip genau all das, was ich mir -auch jetzt noch- von einem Mann in einer Beziehung wünsche. Und dennoch hat er für mich nach 3 Jahren an sexueller Attraktivität verloren. Und ich kann mir heute immer noch nicht eindeutig die Frage nach dem ‚Warum?‘ beantworten. Aber ich habe mittlerweile die Vermutung, dass ich eben zu den Menschen gehöre, die nach einer gewissen Zeit einen neuen Sexualpartner brauchen. Und ich sage das, ohne dabei zu jammern. Ich sehe das ganz sachlich. Vielleicht hat mein Körper mir einfach schon vorher das gesagt, was mein letzter Ex letztendlich laut ausgesprochen hat. Vielleicht irre ich mich ja und mein zukünftiger Traumprinz steht morgen an der Supermarktkasse vor mir. Was will ich mit meinen 28 Jahren auch für eine Aussage treffen, wenn ich in meinem Leben bisher nur mit 3 Männern geschlafen habe und mit nur einem davon nicht zusammen war. Vielleicht ist es auch nur eine Phase: Ich bin jetzt seit langem wieder Single und habe das Bedürfnis nach Sex mit verschiedenen Männern, lebe es aber nicht aus. Warum? Wahrscheinlich weil ich Angst davor habe, als „Schl…“ verschrien zu werden. Anders kann ich mir das nicht erklären, denn ein unattraktives Mauerblümchen bin ich sicher nicht. Jedoch wurde ich von meiner Mutter mit dem Leitsatz erzogen „eine feine Dame springt nicht von Bett zu Bett“. Das hat sich bei mir wahrscheinlich eingebrannt. Und möglicherweise bin ich deswegen auch so hin- und hergerissen. Weil sich in mir das Verlangen nach dem genauen Gegenteil aufstaut. Die Definition „serielle Monogamie“ kannte ich bis dato nicht, aber ich denke genau das ist es, was für mich funktionieren könnte. Letztendlich will ich einen Mann, der mich liebt und für mich da ist. Aber vielleicht bin ich einfach so gestrickt, dass ich nach ein paar Jahren meines Partners sexuell gesehen überdrüssig bin und insgeheim einen neuen Reiz brauche. Ich will aber keine offene Beziehung – ich könnte es nicht ertragen, wenn ein Mann, den ich liebe, mit einer anderen schläft.
Ich wollte dir letztendlich nur Danke sagen. Danke dafür, dass du etwas niedergeschrieben hast, von dem ich mich abgeholt fühle. Ob ich wieder mit meinem Exfreund zusammenkomme, oder ob ich einen neuen Partner finde – für den Moment fühle ich mich mit meinen Gedanken aufgefangen. Mir gefällt auch dein Schreibstil sehr gut, bitte mach weiter so!

Liebe Grüsse
– Hannah

Ich habe die 4 Teile deines Artikels gespannt verfolgt und muss sagen ich finde sie großartig geschrieben! 🙂 Es ist toll wie du eigene Gedankengänge präsentierst und gleichzeitig mit interessanten externen Quellen verknüpfst. Ich selbst bin hoffnungslose Romantikerin – behaupte aber auch, dass ich meinen „Mr. Right“ gefunden habe, mit dem ich mir ein langes, gemeinsames Leben perfekt vorstellen kann. Mittlerweile sind wir seit 4 Jahren ein Paar. Klar hatten auch wir die Verliebtheit am Anfang und klar war die auch schön – aber die Gefühle, die wir mittlerweile füreinander entwickelt haben sind noch viel, viel größer. Natürlich habe ich auch andere Erfahrungen in meinem Leben gemacht, aber ich hatte einfach wahnsinniges Glück. Ich drücke jedem die Daumen der noch auf der Suche nach seinem eigenen Glück ist, sei es in der Monogamie – oder eben auch nicht.
Ich bin jedenfalls durch deine „Fremdgeher“-Artikel auf deinen Blog aufmerksam geworden und finde ihn einfach ganz wunderbar! Mach bitte so weiter. 🙂

Wirklich toll geschrieben und man findet sich selbst wieder! Wenn man wirklich eine Dauerhafte Beziehung führen möchte muss man jeden Tag etwas dafür tun. Es ist wie eine Pflanze,wenn man sie nicht mehr gießt geht sie ein. Und solange man sich wirklich liebt lohnt es sich auch zu kämpfen egal in welcher schwierigen Situation. Ich spreche da aus Erfahrung. Weiter so Mel?

Wieder mal ein top Artikel zum heutigen Status der zwischenmenschlichen Beziehungen. Gibt viel Anregungen zum Nachdenken. Weiter so machen, liebe Mel.

zu viel input. zuviel vermeintliche auswahl bzw. dessen presenz. zu wenig bereitschaft – für arbeit dann aber doch im überfluss- und schließlich kein auge mehr für die einstigen ach so tollen alleinstellungsmerkmale.keine genügsamkeit. das streben nach allem und nichts. und vorallem zu viel fucking „social“ media.der kopf ist voll mit nichts. scheinwelt.weinwelt

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