Allgemein, Unterwegs

Lust auf Meer (Stralsund)

Ostsee

Ich liebe das Meer wie meine Seele“ – Dieser Ausspruch des Dichters Heinrich Heine anlässlich eines Norderney-Aufenthalts beschreibt treffend die tiefe Sehnsucht des Menschen nach der See.

Und wer mich kennt weiss: Ich liebe sie ebenenso. Nachdem ich mich mit Angst auf meine Reise zur Küste begeben habe und mir dann dort angekommen Gedanken über Heimat und die übertriebene Liebe zu ihr machte, bin ich nun in Stralsund. Man hört so viel über diese Stadt und ihre Schönheit. Ich kann mich den Berichten ausnahmslos anschließen – wirklich unfassbar schön hier.

Ja, das Ostsee-Klima ist gesund, das Meer entspannend, aber auch die Städte hier sind besonders und die Menschen, die in ihnen wohnen, sowieso. Immer und überall interagieren sie miteinander und halten einen kurzen „Schnack“, wenn sie können. Sie sind direkt und ehrlich, aber auch vorsichtig gegenüber Neuem.

Sogar die Aussagen, hier gäbe es einen generellen, gesellschaftlich akzeptierten Rassismus und keinerlei linke Gegenbewegung (Antifa), stellte sich als Fehlinformation heraus. Überall an den Häuserwänden konnte man antirassistische, Flüchtlings-freundliche Graffitis und Kreideschriften entdecken, keinerlei rassistische (zum Glück). Meine anfängliche, übliche Anspannung und meine Bedenken gegenüber dieser Stadt legten sich langsam aber stetig. Eine Ruhe schlich sich ein. – Exakt die gleiche Ruhe, die ich die letzten Tage aufkommen spürte und sich mittlerweile komplett in mir breit gemacht hat.

Wo man in der Berliner Großstadt kritisch beäugt wird beim Betreten einer Bahn; in purer Anspannung nur halb-ruht beim Sitzen – immer in Erwartung eines verrückten Verhaltens, wählt man zudem auch IMMER einen Platz möglichst weit von Anderen entfernt. Es ist einfach eine ungeschriebene Regel, sich möglichst viel Platz zu lassen in dieser überfüllten Metropole. Setzt sich Jemand trotz leerer Bahn genau neben dich, schrillen alle Alarmglocken und die Horrorszenarien im Kopf laden ein zur Sondervorführung.

An Berliner Kassen spürt man den warmen Atem der Ungeduld und Gereiztheit stets im Nacken. Manche verleihen dem sogar sehr körperliche Ausdrucksformen indem sie mit dem Fuß oder Finger nervös tippen oder entnervt schnauben, weil es ihnen nicht schnell genug geht (/gehen kann).

Ostsee

Hier hingegen lässt sich keiner stressen und mag die Kassiererin gerade schnacken, dann macht sie das ganz nach ihrem Belieben und mit typisch schroffer Herzlichkeit. Ist nur eine Bank besetzt, wählt man hier oft die Nähe zu anderen und tauscht sich auch mit Fremden aus. So gefällt mir das, denn die Gelassenheit und Geselligkeit ist ansteckend! Können wir “Landratten” uns noch einiges abgucken!

Was ein traumhafter Tag heute ist! In Stralsund angekommen laufen wir entspannt am Wasser entlang, sehen Möwen und wunderschöne Schwäne. Wir treffen Rick – einen alten Freund meiner Steffi mit seinem Hund Sammy und machen uns auf in die Innenstadt.

Ostsee
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Ostsee
Ostsee
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Der Ortsansässige, eben erwähnte Rick hat sich gut auf unseren Besuch vorbereitet und Unfassbares geschafft: Er hat ein veganes Café  (!!!) in Stralsund entdeckt! Niemand von uns hätte erwartet, dass es hier sowas gibt, nicht einmal Rick selbst, der ja Stralsund sein Zuhause nennen kann. Bis vor kurzem gab es das kleine Etablissement mit Kaffeebar-Konzept auch noch nicht und damit auch keinen Ort, an welchem man leckeres veganes Essen und guten Kaffee genießen konnte.

Um diese Nische zu füllen für sowohl Touristen als auch Einheimische, zog es die Besitzerin Luise aus dem westfälischen Münster in ihre Heimatstadt zurück. Das Café ist klein und das Produktsortiment überschaubar, aber alles ist sehr sorgfältig durchdacht und ausgewählt. Und es ist hell und freundlich, also machen wir es uns kurz im Coffifee gemütlich.

Ostsee
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Auch die Besitzerin nimmt sich ausführlich Zeit mit uns zu schnattern; erzählt uns von ihrem Konzept und gibt kleine Einblicke in ihre persönliche Geschichte. Ein Stammkunde, der dazu kommt, macht es sich in seiner Lieblingsecke gemütlich und schließt sich dem Gespräch an. Wo kennt man denn noch solche herzlichen Szenen in der heutigen Ellbogengesellschaft?

Ostsee

Die Raumgestaltung setzt sich hauptsächlich aus zwei Komponenten zusammen: moderne, offene Elemente und recyceltes, massives Holz. Die Sonne strahlt durch die Fenster, Tulpen bringen Farbe in den Raum.

Ostsee
Ostsee

 

Ostsee
Ostsee
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Ostsee
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Kleine Hocker laden zum Verweilen ein, aber ohne in allzu großer Gemütlichkeit zu versacken. Und so genießen wir unsere Getränke und Speisen und machen uns auf. Die Macarons von Piccolini und leckere Schokoladen aus der Chocolaterie Georgia Ramon muss ich das nächste Mal probieren. Hab ich gleich einen Grund wieder zu kommen! (Als ob ich noch einen bräuchte.)

Ostsee
Ostsee
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Ostsee

“Die gefährlichste aller Weltanschauungen
ist die Weltanschauung der Leute,
welche die Welt nicht angeschaut haben.”

– Alexander von Humboldt

“Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann,
ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.”

– George Santayana

Ostsee
Ostsee
Ostsee
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„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist,
sieht nur eine Seite davon“

– Augustinus Aurelius

Ostsee
Ostsee
Ostsee
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“So groß und einfach die Welt am Strand,
nur Wind und Wolken, nur Meer und Sand.”

– Dr. Carl Peter Fröhling

Tjaja, die baltischen Küste: Das sind lange Strandspaziergänge, sich ordentlich Wind um die Nase wehen lassen, tief durchatmen und den Kopf wieder frei bekommen. Eine Wohltat für Geist und Körper. Und natürlich auch für die Augen, denn malerischer geht es kaum: Weißer Ostseestrand, reetgedeckte Häuser, die sich in die Dünen schmiegen, und der  Seewind, der die Windflüchter (schräge Bäume) formt. Ihr merkt, ich bin etwas verliebt.

Aber jeder fühlt sich hier entspannter und zehrt noch lange danach von einem Besuch. Aber warum das? Ganz einfach weil jedem die frische Meeresluft und der Blick auf die weite See gut tun. Wo sonst lässt sich so gut der Alltagsstress vergessen wie an der See? Wo kann man so gut neue Kraft tanken? Mir geht es hier so auf jeden Fall.

Ostsee

Körperlich bietet die Ostsee mit ihrem milden Reizklima ideale Voraussetzungen, um tief durchzuatmen und die Atemwege frei zu machen – vor allem bei Asthma oder allergischen Erkrankungen. Die salzhaltige Seeluft mit hohem Feuchtigkeitsgehalt wirkt sich positiv auf die Atmungsorgane als auch den Kreislauf aus. Deswegen sind ja auch viele Kurkliniken mit diesem Schwerpunkt hier verortet.

Die positiven Erholungsefekte liegen also am maritimen Reizklima. Das ist ein Klimatyp, dessen Besonderheiten den Stoffwechsel und die Gesamtaktivität des Körpers anregen (aka “reizen”). Somit kann es für bestimmte Erkrankungen ein bedeutsamer Heilfaktor sein. Man braucht schon mal drei bis vier Tage, um sich an das Klima zu gewöhne, wird zunächst schnell müde, fällt vielleicht abends um acht schon ins Bett und schläft morgens sehr lange. Auch mir erging es so, aber ich bin momentan ja auch schon nach den kleinsten Anstrengungen todesmüde.

Diese Ermüdung hier am Meer ergibt sich durch den veränderten Klimaeinfluss und weicht in wenigen Tagen einem erholten Frischegefühl. Der Blutdruck sinkt, die Lunge wird frei, Hautbeschwerden und Allergien bessern sich und die Abwehrkräfte nehmen zu.

Und das Beste am Urlaub an der Ostsee: Man profitiert auch noch lange nach der Zeit an der Küste davon. Experten sagen, die positive Wirkung eines Urlaubs an der Ostsee auf das Immunsystem kann bis zu zwei Jahre anhalten. So lange möchte ich es aber keinesfalls hinauszögern wieder her zu kommen!

Ostsee

“Wenn man anfängt,
seinem Passfoto ähnlich zu sehen,
sollte man Urlaub machen“

–  Ephraim Kishon

Ostsee

„Das Meer ist keine Landschaft,
es ist das Erlebnis der Ewigkeit.”

– Thomas Mann

Ostsee
Ostsee
Ostsee
Ostsee

Wer nun Lust bekommen hat auch mal an die Küste zu fahren – macht das! Je länger ich es aufgeschoben hatte, desto unerreichbarer schien mir der Strand und das Meer. Es war als würde sich die Ostsee entfernen, Tag für Tag ein Stückchen weiter. Doch ich möchte bald schon wieder kommen und generell mehr Reisen.

Neue Orte, fremde Sprachen, exotische Gerüche, ungewohnte Aktivitäten und soziale Kontakte mit anderen Menschen verschiedenster Kulturen sind Erfahrungen, die unser Gehirn auf besondere Art stimulieren. Diese intensiven Eindrücke schaffen Erinnerungen, die lange im Gedächtnis verankert bleiben – häufig für ein ganzes Leben.

Immer wenn wir Neues erleben, verändert sich zudem unsere Wahrnehmung ein kleines Stück. Wir werden toleranter und offener, reifen und lernen. “Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.”, sagte auch schon Johann Wolfgang von Goethe. Als bewiesen gilt ebenso, dass Reiseerfahrungen nachhaltig das Selbstbewusstsein stärken. Es macht glücklicher, ausgeglichener und schützt vor kommenden Stresssituationen. Diese Effekte merkte ich besonders, wenn ich mich einmal alleine auf die Reise begab. Aber ob alleine oder in Begleitung: bleibende Erinnerungen werden hier definitiv geschaffen.

Das sollte doch reichen an Überzeugungsarbeit! Also worauf wartet ihr noch?
Auf, auf – das Leben wartet!

„Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben,
sondern den Jahren mehr Leben zu geben.“

– Alexis Carrel

… und zu guter letzt noch eine passende Empfehlung von Wilhelm Busch:

Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Kultur und Reisen.
Darum, Mensch, sei zeitig weise!
Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!”

flat

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5 Kommentare auf "Lust auf Meer (Stralsund)"

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