Allgemein, Für den Kopf, Unterwegs

Ins Paradies, die Angst im Gepäck (Zingst)

Because there’s nothing more beautiful than the way the ocean refuses to stop kissing the shoreline, no matter how many times it’s sent away.”

Ostsee

Die New Yorker Poetin Sarah Kay hat damit mein Lieblingszitat aller Zeiten über das Meer verfasst. Es vermittelt in meinen Augen passend wie kein Anderes diese Art der verträumten Romantik, die sich an diesem Ort ganz unvermittelt einschleicht. Ja, ihre Worte geben mir das gleiche Gefühl, wie am Meer, wenn mir ganz warm ums Herz wird. Meine Atmung fährt dann runter, der Puls verlangsamt sich und ein leicht zufriedenes Lächeln legt sich über mein Gesicht. Der Wind, das Rauschen der Wellen. Ich schließe die Augen und atme tief ein – Oh, der Geruch des Meeres. Die pure Harmonie macht sich breit. – Eine Seltenheit in meinem stressigen Alltag im Moment.

Ich kann es nicht erklären oder die Ursache ergründen, aber am Meer fühle ich mich Zuhause.

Ostsee

Vielleicht ist der Ort, den wir zu Hause nennen, gar nicht der, an dem wir geboren wurden, sondern der an dem sich unser Herz zu Hause fühlt.“ –  Isabel Abedi

 

Als ich mich nun auf den Weg nach Berlin machte, kontaktierte ich Steffi, eine enge Freundin, um mich mit ihr zu treffen. Da sie bald wieder in ihre Wahlheimat Bali verschwindet, wo sie die meiste Zeit des Jahres lebt, war die restliche Zeit für ein Treffen knapp bemessen. Doch sie wiegelte ab. Sie sei nicht in Berlin, sondern in der Heimat an der Küste, aber ich könne ja ebenfalls hin kommen, fügte sie ihrer Absage noch schnippisch hinzu.

Es war als Scherz gemeint, aber der Gedanke begann mir zu gefallen. Also fing ich an es zu planen, ohne mich viel mit meinen üblichen Ängsten zu befassen und mich in sie reinzusteigern. Stattdessen versuchte ich mich auf mögliche bevorstehende Szenarien positver Art zu konzentrieren.

Dies ist eine Methode mit einer Angststörung umzugehen, die einen plagt. Denn wenn man erkannt hat, dass man dazu tendiert, sich in Sachen reinzusteigern, hat man den Grundstein zur Änderung der unerwünschten Verhaltensweisen bereits gelegt. Man beginnt zu erkennen, dass die Probleme in Wirklichkeit nicht so groß sind, wie Sie einem einst erschienen, als sie einen noch unreflektiert überrollten. Der Schlüssel zur Veränderung ist also eine ehrliche Reflexion des eigenen Verhaltens.

Überlegt euch, in welchen Situationen ihr euch in Sachen reinsteigert und danach, wie die Situationen sich tatsächlich entwickelt haben. Sind die schlimmen Befürchtungen eingetroffen? War das Reinsteigern in belastende Gedanken gerechtfertigt oder hat es euch bloß die Energie geraubt?

Am Ende werdet ihr sehen: In den meisten Situationen kostet es einfach nur Kraft und verschlimmert so eher die Situation, hält euch dadurch von schönen Erlebnissen ab.

„In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge,
die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast.
Also löse die Knoten, laufe aus aus dem sicheren Hafen.
Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln. Erforsche. Träume.“

– Mark Twain

Ich versuchte nun also als gutes Vorbild voran zu gehen und buchte mutig mein Ticket für den Flixbus – für mich im Moment die entspannteste Reiseform, da mich der Bus relativ wenig stresst. Die Abläufe zum Einchecken und die Mitnahme von Gepäck sind super unkompliziert geregelt, es gibt freies Internet und ein Mediacenter, die Sitze in den Reisebussen sind gemütlich und fast immer mit Steckdosen ausgestattet und meist habe ich genug Luft zum Atmen und runter kommen, da der Platz neben mir frei bleibt. Für viele zählt auch noch der Preis: von Berlin nach Stralsund 13 Euro | DresdenStralsund 19 Euro. Negativ anzumerken ist das Hundeverbot.

Aber nun gut – noch ist mein Hund noch nicht da. Also springe ich am Alexanderplatz in den Bus, mache es mir gemütlich, versuche runter zu fahren von dem beschwerlichen Weg bis zum Abfahrtsort und die Fahrt geht los.

Ostsee
Ostsee
Ostsee

Und so sitze ich hier und grübele über meinen eigenen Anteil an den Panikattacken. Viele Freunde, die die gleiche Krankheit hatten, erzählten, dass ihnen ein ausgeglicheneres Leben und besonders die Akzeptanz der Krankheit, anstatt gegen sie anzukämpfen, geholfen hat. Der Psychologe mit dem ich letztens sprach sagte dazu:

Es verhällt sich quasi wie mit einem Hund. Was passiert, wenn man versucht von ihm weg zu laufen?!
Er läuft hinterher!
Genau!„, erwiderte er und grinste leicht überlegen.

„Hast du Angst, machst du Angst,
fürchtest du sie, vergrößerst du sie,
fliehst du vor ihr, jagt sie dich.“

– Manfred Hinrich

Man sollte sich demnach bewusst machen, dass es vorerst darauf ankommt mit der Angst umzugehen und nicht, sie zu verhindern. Gegen Ängste und Stresssituationen, in die man sich hineinsteigert, hilft es also mehr, sich vor Augen zu führen, dass nicht immer alles perfekt laufen muss. Ja, ihr müsst nicht perfekt sein. – Wirklich Niemand ist perfekt, auch wenn manche gerne mal so tun! Wusa – werdet entspannter. Sucht nacht Dingen die euch beim Entspannen helfen. Ordnet eure Gedanken, wenn er merkt sie beginnen euch zu entgleiten und geht nicht so hart mit euch ins Gericht. – Wenn man irgendetwas nicht (perfekt) schaffen sollte, ist das in den meisten Fällen kein Weltuntergang.

„Ein wirksames Heilmittel gegen Angst ist Milde.“

– Lucius Annaeus Seneca

Psychologen raten also, dass ihr euch klar macht, dass es absolut nichts hilft, sich mit quälenden Gedanken zu belasten. Versucht stattdessen lieber euer Bestes, die Stresssituation entspannt zu meistern.

– Leicht gesagt, ne?! All diese neunmalklugen Tipps überall. Man sucht sich die Ängste ja nicht aus!! Und besonders beängstigend ist ja eben der Fakt, dass es einen so überrascht und die Kontrolle über den eigenen Körper zu übernehmen scheint.

Doch am Ende funktioniert es halt einfach!! Jeh mehr ihr bei euch seid und die Gedanken nicht aus dem Ruder gehen lasst, desto besser werdet ihr die Situationen auch meistern. Fixiert euch nicht auf einen Gedanken. Nehmt im Geiste Abstand von eurer gedanklichen Fixierung und betrachtet die Situation einmal rational. Was würdet ihr einem Freund raten, der in der gleichen Situation wäre, wie ihr jetzt? Ihr würdet vermutlich sagen, dass er solche Umstände schon viele Male gemeistert hat ohne das was passiert ist und dass auch jetzt nichts passieren wird.

„Angst haben ist das sicherste Mittel, den Zustand herbeizuführen,
vor dem man sich fürchtet.“

– Erich Limpach

Für mich sind Supermarktkassen das Schlimmste! Und mir ist dort bereits der absolute Supergau passiert: Ich stand am Bezahlen, alles bereits eingescannt und mein Portmonee nicht aufzufinden. Es begann sich alles zu drehen. „Oh bitte. Das darf mir jetzt nicht passieren! Bitte nicht…„, tönte es in meinem Kopf. Meine Atmer wurden kürzer, die Augen leicht aufgerissen in Panik. Doch die Kassiererin reagierte perfekt: „Du glaubst gar nicht, wie oft das hier Leuten passiert. Wohnst du in der Nähe? Hole in Ruhe dein Geld! Ich schiebe die Sachen zur Seite.“ Sie war nicht freundlich, sondern gleichgültig. Das erleichterte mich zwar und doch wollte ich schnell mein Geld holen, also rannte ich los.
Draußen stand ein junger, hübscher Mann, der mir schon quer durch den Supermarkt immer wieder zugelächelt hatte. Das passierte mir beim Einkaufen selten, da sind ja sonst immer alle im Stress. Er schien nun auf mich zu warten. Ich sah seinen Kopf im Augenwinkel enttäuscht nach unten sinken, als ich so an ihm vorbei raste. Bei einem kurzen Schulterblick zurück sah ich wie er betröppelt los trottete und seinen Warteposten verließ. Ups. Entschuldigung lieber Supermarkt-Mann – es lag nicht an dir!

Mir ist also nichts Schlimmes passiert, bis auf das eventiell verpasste Date. Doch zitter ich jedes Mal und mir schnürt sich der Hals zu im Supermarkt. Neuerdings gucke ich einfach was die Menschen um mich herum auf dem Band liegen haben. Wenn es nur Fleisch und Wurst ist, schüttele ich schonmal genervt mit dem Kopf. Haha. Und schon ist der Stressmoment verflogen.

Ostsee

Mir hilft es außerdem ab und zu, mir vorzustellen, wie ich mich fühlen werde, wenn ich die Angstphase überstanden habe oder auch was ich mir danach Gutes tun werde – ein schönes Stück Kuchen oder ein duftendes Schaumbad. Freut euch über gemeisterte Situationen. Habt ihr nachts solche Attacken, reist in Gedanken weg – stellt euch vor, was ihr am nächsten Morgen tun wollt – ein gutes Frühstück, vielleicht mit Pancakes, joggen oder schwimmen, zum Therapeuten gehen, einen Freund treffen oder sogar ein Date, das bevor steht. Euch wird was Schönes einfallen!

Hilft euch aber weder gutes Zureden, noch Selbstbewusstseinstrainings und auch nicht eure Imagination um gelassener zu werden, könnte man in Stresssituationen einen Freund anrufen oder im Whatsapp anschreiben, um mit ihm oder ihr über Ärger, Wut und Ängste zu reden. Diesen Job erledigt manchmal meine beste Freundin Chulia. Wenn ihr ebenfalls mit jemandem über eure negativen Gefühle redet, kann das sehr weiterhelfen. Oft merkt man selber, wenn man die Ängste ausspricht, wie unbegründet diese eigentlich sind. Und während eurer Kumpel schon ein anderes Thema angesprochen hat, verfliegt der kurze Moment der Angst von ganz alleine.

Oder warum nicht wirksame Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training erlernen? Das hilft dabei, den Kopf frei zu bekommen und generell mehr bei sich zu sein. Will ich das Haus verlassen an einem schwierigen Tag, nehme ich Kaugummi (Bachblüten), denn das suggeriert dem Gehirn, dass alles in Ordnung ist / keine Gefahr besteht. Kauen baut somit Stress ab und hilft nachweislich bei der Reduktion von Angst.

Mir hilft es zudem ein warmes Getränk mit in die Bahn zu nehmen, denn öffentliche Verkehrsmittel sind auch ein Problem. Habe ich nun einen Chai Latte mit, kann ich mich über den Geschmack beim immer mal dran Nippen freuen und habe als positive Impulse außerdem noch den schönen Geruch in der Nase und die wohlige Wärme an den Händen. Viele Sinne werden angesprochen, auf die man sich, abgesehen von der Angst, konzentrieren kann. Mit den positiven Reizen verringert sich die Wahrscheinlichkeit in eine Fixierung auf einen Gedanken zu stürzen.

Ostsee

Zudem höre ich immer ruhige Musik, bevorzugt Songwritermusik, die mich zum Träumen bringt. Auch Comics und einfache Kindergeschichten können das Gehirn beruhigen. Oder ihr macht ein Kreuzworträtsel, lest einfache Zeitschriften, plant einen Urlaub im Kopf. Auch auf Instagram Bilder durchgucken kann zunächst beruhigen. Zudem lösen die hübschen Bilder positive Impulse für die Belohnungsinstanz des Gehirnes aus.

Manchmal gucke ich auch nach außen und suche ganz bewusst nach schönen Dingen, die mich ansprechen – Graffitis, Bäume oder hübsche Landschaften. In Berlin war es auf der Linie U1 die Spree. Bei manchen U-Bahnen ist das nicht so einfach, da es draußen nichts zu sehen gibt. Es ist dunkel in den Tunneln. Vielen Angstpatienten hilft es, wenn sich um sie herum starke, „normale“, psychisch gesunde Menschen befinden. Nun sind aber gerade die öffentlichen Verkehrsmittel ein Ort, an dem viele psychisch-instabile Menschen zusammenkommen. Also bereitet euch einfach auf eine solche Fahrt vor und nehmt mit, was auch immer euch helfen mag.

Viele Psychologen raten solche Situationen möglichst durchzustehen und nicht in Flucht zu gehen. Aber ich finde es völlig in Ordnung, sich auch mal eine Pause von der extremen Belastung zu nehmen. Ich kannte Jemanden, der ist an jeder einzelnen Haltestelle ausgestiegen, aber er ist angekommen! Vielleicht schafft ihr ja mehr als einen Halt, wenn es aber allzu schwer wird, geht raus, holt euch einen Kaffe, atmet durch. Alles nach eurem Tempo. Nehmt euch einfach genug Zeit mit für Wege.
Und irgendwann werdet ihr, genau wie ich, schnell los müssen, da an der Ecke schon eine gute Freundin wartet. Natürlich sagtet ihr ihr schon bereits los gegangen zu sein – der Klassiker. In eurer Vorfreude auf sie habt ihr einfach keine Zeit mehr eure Beruhigungsmittel zu nehmen und die Musik anzustöpseln und plötzlich geht es auch ohne all diese Vorbereitungen. Positive Erfahrungen sind wichtig!! Und sie sind Etappensiege, die hoffentlich zur Normalität und Angstfreiheit führen.

Wenn die Angstattacken häufiger vorkommen, sprecht mit eurem Arzt des Vertrauens darüber. Das Leiden könnte nämlich durchaus auch körperliche (Teil-)Ursachen haben, wie bei mir die Schilddrüse. Eventuell denkt ihr ja auch einfach mal über eine Psychotherapie nach. Häufige Panikattacken belasten Körper und Seele. Sie sind sehr stressig und gehen über die Jahre aufs Herz. Das wollt ihr nicht als euren Alltag und besonders nicht auf Dauer! Lass euch so viel gesagt sein: Es ist  wirklich nichts dabei sich Hilfe zu holen. Ich persönlich bin sehr stolz sagen zu können, dass ich endlich einen tollen und fähigen Therapeuten gefunden habe, der meine Traumatas mit mir aufarbeitet und mir weitere Wege aus der Angst aufzeigt.

„Beherzt ist nicht, wer keine Angst kennt,
beherzt ist, wer die Angst kennt und sie überwindet.“

– Khalil Gibran

Aber zunächst bin ich froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und als ich aus dem Bus aussteige, steht auch schon meine Steffi neben mir. Wir fallen uns in die Arme. „Ich bin so froh dich zu sehen!“, sage ich wärend ich sie drücke und hole fix meinen Koffer.

Heute passiert nicht mehr viel. Wir machen es uns gemütlich und schnattern bei Tee. Aber den nächsten Tag schon besteigen wir nach dem Frühstück den Bus von Barth nach Zingst. Schon die Fahrt beinhaltet tolle Ausblicke. Ich bin aufgeregt.

Ostsee

An einer Kurklinik steigen wir aus und ich plapper aufgeregt vor mir her. Ich weiss nicht wie weit wir noch zu laufen haben, doch dann sehe ich das Meer von der Ferne. Ich verstumme. Mein Herz schlägt höher. Tränen der Freude schiessen mir in die Augen.

Steffi, ich glaub ich weine ein bisschen!

Sie lacht und dreht sich um zu mir: „Haha. – Du bist mir eine!

Ostsee
Ostsee
Ostsee

Gott, ich bin so froh hier zu sein und auch mit ihr hier zu sein. Es fühlt sich einfach richtig an und es ist so paradisisch hier – traumhaft einfach….auch im Winter. Die Sonne scheint. Sie sagt: „Das liegt an deinem Besuch, die letzten Tage war das Wetter richtig grau und betrübt.

flat
Ostsee

„Viele kamen allmählich zu der Überzeugung,
einen großen Fehler gemacht zu haben,
als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten,
schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen,
die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen.“

– Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis

Ostsee
Ostsee
Ostsee
Ostsee

„Das Flüstern des Windes, das Rauschen der See
schenken einem das Glück, einfach zu existieren.“

– n.n.

Ostsee
Ostsee
Ostsee
Ostsee
Ostsee

„Du wirst die Welt niemals richtig genießen,
bis nicht das Meer durch Deine Adern fließt,
dich der Himmel zudeckt und die Sterne Dich krönen.“

– Thomas Traherne

Ostsee
Ostsee
Ostsee
Ostsee

Ja, die Meisten halten ihre persönlichen Horrormomente aus, wie ich meine Fahrt – nur, damit man komplett fertig am Ziel ankommt. Angstattacken rauben einem die Kraft. Die Mehrzahl der Panikattacken dauern 10 bis 30 Minuten und hören danach von allein auf. In seltenen Fällen können sie aber auch bis zu 2 Stunden andauern. Sie sind ein psychischer und körperlicher Kraftakt.  Also seid gut zu euch selbst.

Häufig kommen auch die Tränen nach einer Angstattacke. Das ist in Ordnung, erleichtert euch ruhig durch Weinen. Trinkt einen Schluck Warmes oder Kaltes – was auch immer euch gut tut und schnappt ausreichend frische Luft. Atmet durch. Und genießt dann den Moment nach der Attacke – die Ruhe nach dem Sturm. Seid stolz, wenn ihr euer Tagesziel erreicht habt, was es auch sein mag. Überaus wichtig ist es genrell Geduld mit sich und seinen Fortschritten zu haben. Panikattacken verschwinden nicht über Nacht.

Mein Moment der Belohnung nach der Anspannung der Woche davor war dieser Tag am Meer…

Ostsee

„Man kann keine neuen Ozeane entdecken,
hab man nicht den Mut, die Küste aus den Augen
zu verlieren.“

– André Gide

Wir steigen einen kleinen Weg weg vom Strand durch den tiefen Sand. Langsam ist das Laufen beschwerlich. Wir waren Stunden unterwegs und sind nun durchgefroren aber glücklich.

Zum Abschluss setzen wir uns noch auf eine Bank mit dem Gesicht in der Sonne, meine Begleitung dreht sich eine Zigarette. Alle Bänke sind frei aber ein alter Mann gesellt sich zu uns und beginnt zu schnattern, ganz in nordischer Manier. Damit endet ein perfekter Tag, den ich nicht hätte erleben können, hätte ich mich nicht meinen Ängsten gestellt und sie erfolgreich überwunden.

Und ich bin endlich Zuhause. Hat lang gedauert…

Ahoi! <3

Ostsee

Hinterlasse einen Kommentar

28 Kommentare auf "Ins Paradies, die Angst im Gepäck (Zingst)"

Ach ja und der Angst einen Namen geben. Etwas schönes. Unser Arzt hat immer gesagt, vielleicht kein Monster. Sondern ein Elefant oder was Anderes. Die Angst an die Hand nehmen und sagen, ach Guten Tag Angst, da bist du wieder. Ihr einen freundlichen Namen geben. Desweiteren habe ich eine sozial Phobie und war in der Skills Gruppe. Man muss wirklich an sich arbeiten und kleine Schritte würdigen. Immer wieder. Einen Brief an sich schreiben, was man an sich mag und schon geschafft hat.

Desweiteren hatte ich Angst verrückt zu werden und zu sterben. Keine Luft mehr zu bekommen. Ich nehme Cipralex und mache auch ambulant weiter. Es gibt so viele Menschen die unter Angst und Panik leiden und ich danke dir für den Artikel. Wie quält man sich oft, weil die Krankheit nicht einem direkt an zu sehen ist.

Dies ist ein wunderbarer Beitrag. Ich leide zur Zeit an Agorapgobie mit Panikstörungen. Nach drei Jahren. Vor drei Jahren waren es Panikattacken die ich unter Kontrolle bekam. Diesmal leider 24 Stunden Angst. Ich trage zwei Traumata mit mir rum. Ich war sechs Wochen auf der P9 im KEH Lichtenberg und danach 8 Wochen in der Tagesklinik in der Boxhagener Straße. Es stimmt sich der Angst stellen zu müssen. Ich bin den Weg alleine gegangen. Akzeptieren und Annehmen. Ich habe manchmal Herzklopfen oder ein Zittern, was wieder runter geht. Es geht um die Bewertung der Symptome. Dass Zittern ist da, geht aber auch wieder weg. Habe nach der Aktzeptanz und Commitmenttherapie gearbeitet (AKT) Man lernt Achtsam zu Essen, im Hier und Jetzt zu sein und dass Gedanken nur Gedanken sind und man nicht der Gedanke ist. Gedanken ziehen lassen. Meine schlimmste Panikattacke ging 12 Stunden. Meistens lagen sie bei über einer Stunde. Mittlerweile schaffe ich es ohne Atosil. Gehe zum Pole Dance und kann Momente besser genießen, dass Gedankenkarusell hat nicht so oft eine
Chance. Das Buch von Eckhart Tolle ist wunderbar, Leben im Hier und Jetzt.
Ich hatte tolle Therapeuten, Ärtzte und Schwestern.

Natürlich kommentiere ich dir auch hier gerne! =)
Wie schon gesagt, die Bilder sind wirklich wahnsinnig schön und der Text berührt mich! Auch auf mich hat das Meer eine unglaubliche beruhigende Wirkung, ich merke schnell wenn ich wieder eine Dosis Meeresrauschen brauche. 🙂
Ich wünsch dir alles Liebe und noch einen schönen Tag
Irev

Ich hab Tränen in den Augen! Dein Text beschreibt genau das Gefühl, was i vor ziemlich genau 1 Jahr hatte! Und es bestätigt mir wieder einmal, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Er ist lange nicht zu Ende!
Weiter so! !! Vielen Dank für deine Worte <3

Liebe Mel,

Danke für die schönen Worte, vorallem wie du deine Liebe zum Meer beschreibst. So geht es mir mit Wald und Bergen 🙂 ich finde auch ganz klasse wie du mit deinen Panikattacken umgehst. In einigen Beschreibungen und Tipps finde ich mich sogar wieder. Es ist gut zu lesen dass man nicht der einzige Mensch auf der Welt ist mit so einem ‚Leid‘. Vielen Lieben Dank!

Es ist immer wieder schön zu lesen das man nicht allein ist mit seinen Problemen. Danke dir für deine Worte. Du gibst einen immer wieder Mut <3 . Es ist nicht einfach und irgendwie wird die Angst einen immer begleiten. Nur der Umgang mit der Angst ändert sich. Nochmals danke dir!

Liebe Mel,

eigentlich bin ich ja nicht so der Blogleser, du machst es aber einfach zu gut also lese ich! 😀
Bei deiner Schilderung des ersten Aufeinandertreffens mit dem Meer, sind mir ja sogar fast die Männertränen gekommen. Das liegt vermutlich auch daran dass ich in Bezug auf die Ostsee ebenso emotional bin wie du es hier zu sein scheinst, es ist nun mal meine Heimat und Sie fehlt mir und umso schöner ist es jedes Mal diese 3 Stunden Fahrt auf mich zu nehmen und dann einfach schweigend, stundenlang am Meer zu sitzen, mehr braucht es einfach nicht. Es hat eine unglaublich heilsame Wirkung. Derzeit ist auch alles wieder eher suboptimal im Alltag, im Job etc. und morgen geht es nach Rostock. Anschließend könnte ich wohl einen ähnlich emotionalen Text verfassen, natürlich ohne deine Klasse dabei zu erreichen! 😀

Die Geschichte mit den Panikattacken finde ich interessant. Die Geschichte mit der Kasse ist mir wohlbekannt, ich schaue immer mehrfach und oft sehr genau ob ich auch wirklich über das nötige Zahlungsmittel verfüge, habe immer Angst in eine peinliche Situation zu komme, wenn ich an der Reihe bin fühle ich mich grundsätzlich von den Anstehenden beobachtet und will so schnell wie möglich da weg, wodurch ich mich beim schnellen Einpacken oft dumm anstelle.
Das Kopfschütteln bei Fleisch auf dem Fließband kenne ich auch von mir 😀
Ich habe zwar keine Panikattacken aber mich beeinträchtigt die Angst vor simplen Dingen sehr oft im Alltag.
Ich traue mich zum beispiel nie einen telefonischen Termin zu machen, bei Ärzten oder Ähnliches, was soll ich, was nicht, mach ich mich zum Vollhorst etc. pp. Dadurch lasse ich es oft lieber ganz sein. Ganz merkwürdig wie man sich da durch einfachste Gedanken komplett in Panik versetzen kann.

„Wenn ihr ebenfalls mit jemandem über eure negativen Gefühle redet, kann das sehr weiterhelfen. Oft merkt man selber, wenn man die Ängste ausspricht, wie unbegründet diese eigentlich sind. Und während eurer Kumpel schon ein anderes Thema angesprochen hat, verfliegt der kurze Moment der Angst von ganz alleine.“
Ich denke da immer eher, „HALLO?? hast du gehört was ich gerade gesagt habe?? Du kannst doch jetzt nicht einfach das Thema wechseln! AAAHHH“

Danke für deine guten Texte! Und Danke für soviel Input zu so interessanten Themen!

Liebe Grüße

Rene

Hallo Mel.. Ich habe dir ja bereits auf Instagram erzählt was das Meer in mir auslöst… Ich kann keine Tränen der Freude sehr gut nachvollziehen. Immer wieder, wenn ich meine Ostsee nach langer Zeit wieder sehe, kommen mit diese Tränen und ich habe einen Klos im Hals… Es ist ein Gefühl vom „am richtigen Ort“ sein… Der Geruch, die Geräusche, das Gefühl… Alles ist Harmonie pur…

Ich kenne auch gut deine Erzählungen über die Ängste, aber nicht als Betroffene, als „Angehörige“… Ich habe eine Beziehung mit einem Angstpatienen geführt… Auch als Angehöriger ist es schwer ein Leben zu führen… Ich habe immer darüber nachdenken müssen wie ich meinem Partner ein einfacheres Leben gestalte… Bedenken in welchen Situationen eine Panikattacke ausbrechen könnte und versuchen diese Situationen so einfach wie möglich zu gestalten… Sei es im Kino einen Platz am Gang wählen, damit im Zweifel das Kino störungsfrei verlassen werden kann… Ich gestehe das ich in dieser Zeit einem Teil von mir aufgegeben habe und sein Leben für ihn mitgelebt habe… Ich weiß es ist der falsche Weg, aber ich habe da selbst das ein oder andere Problemfeld… Zum Schluss hat nur noch der Weg aus der Beziehung geholfen… Ich möchte damit nicht sagen, dass ein Angstpatient keinen Partner haben sollte… Nur das ich als einigermaßen gesunder Mensch, eine Vorstellung habe wovon du redest… Ich wünsche dir gaaaaanz viel Kraft bei deinem Weg aus der Angst… Ich finde du bist eine atemberaubende Person, nicht nur weil du öffentlich wunderschön bist… Sondern weil du dein Leben trotz deiner Probleme so gut meisterst… Und wer weiß, vll habe ich ja einmal das Glück dir zu begegnen um dir das auch mal persönlich sagen zu können… Aber das hörst du wahrscheinlich als Person des öffentlichen Lebens immer wieder 🙂 mach weiter und bleib Du!!!

Ach und geniess das Meer, es beruhigt so sehr♥.

Sehr schöner Beitrag, ich empfinde da soviel Emphatie. Ich bin auch (wieder) in Betreuung, jetzt wegen Angst. Egal welches Angstloch ich gestopft hab, dann kam die Angst an einer anderen Stelle wieder, fast ein aussichtsloser Kampf. Ich nenne es immer das Angstmonster. Es lässt einen leiden und machnmachal fällt das Hoffen dann so schwer. Ich hoffe auf bessere Zeiten, für uns alle.♥♥♥

Ich lese und lese und lese und erkenne mich in vielen Worten wieder. Dank‘ Dir weiß ich, dass es völlig in Ordnung ist, Angst zu haben – ich bin kein Unmensch, nur weil der Alltag für mich sehr anstrengend ist. Du findest Deine Wege und hilfst mir und vielen anderen, an sich zu glauben. Die Bilder drücken unendlich viel Ruhe und Geborgenheit aus, sodass ich überlege, auch bald eingemurmelt am Strand zu stehen. Fühl‘ Dich gedrückt – von madame.miesmuschel auf instagram.

Liebe Mel, dein Beitrag ist wie immer toll geschrieben und wenn du so von deinem Ängsten erzählst spiegelt es meinen wieder! Und ich muss ehrlich sagen als ich damals meine Panik Attacken hatte und auch zur Kur gefahren bin (Ostsee) hatte ich zuvor auch Angst hoffentlich überstehe ich die Fahrt bis dahin und alles andere dort. Als ich dann ankam fühlte ich mich erstmal nicht so wohl wahrscheinlich lag es auch an der ungewohnten Umgebung und meiner Angst! Wollte eigentlich direkt wieder weg aber innerlich sagte ich mir das schaffst du! Und so war es auch. Das beste daran war das Meer! Die Augen zu schließe n das rauschen der Wellen zu hören die klare Luft einzuatmen…und vorallem die Ruhe genießen zu können. Man vergisst Raum und Zeit! Ich glaube und bin fest davon überzeugt das es die beste Therapie ist (das Meer)! Und in zwei Wochen fahre ich mit meinen grossen an die Ostsee zur Mutter-Kind Kur! Ich freue mich schon wahnsinnig! Ich kann das Meer schon riechen:-*grins! Das wars von mir erstmal. Bis dahin meine liebe!

Wow. Nicht nur die Bilder sind wunderschön und lösen eine Sehnsucht aus, die mich am liebsten die Bücher der Bibliothek in die Ecke werfen ließe. Ich kenne dieses Glücksgefühl am Meer. Versuche inzwischen 2-3 Mal im Jahr hoch zu fahren. Einfach zum Durchatmen, Abschalten, glücklich sein. Und ich bin zutiefst beeindruckt davon, dass du so offen über deine Ängste sprichst und sie vor allem akzeptierst und daran arbeitest . Das ist inspirierend und gibt Kraft. Tausend Dank für diesen Beitrag. Sollte ich dich mal an der Kasse sehen lenk ich dich gern mit Plaudern von der Angst ab 🙂

Liebe Mel, du hast diesen Bericht echt großartig geschrieben. Danke dafür. In unserer immer „eigenartiger“ werdenden Welt plagen mich auch wieder zunehmend Ängste und ich werde versuchen, mich an deinen Worten zu orientieren. Wir haben ja jetzt Zeit zum wegfahren, denn wir haben innerhalb von nur acht Wochen unsere beiden über alles geliebten Hunde verloren. Fühl dich gedrückt und ganz liebe Grüße von Chris und Sylvia

wpDiscuz