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Hommage an meine Follower*innen & Lucy Updates

Kennt ihr das: Ihr seht einen Beitrag über ein Tier von der Straße, das von jemandem aufgenommen wird, oft einen Hund, und man findet die immer gleichen Kommentare unter dem Beitrag:

“Oh, das sind die dankbarsten Tiere!!”

Ich les das immer und schaue auf meinen Hund, denk mir so: NOPE !

Nichts an diesem Hund strahlt Dankbarkeit aus. Und warum sollte sie auch dankbar sein? Dankbarkeit is ein menschliches Konzept, dass Hunde gar nicht kennen oder verstehen.

Adoptierte Tiere sind – je nachdem wie sie vorher gelebt haben – irgendwann, wenn sie dir genug vertrauen, eventuell anhänglicher und verkuschelter als nicht traumatiesierte Hunde oder haben gar Trennungsängste, was alles dann als “Dankbarkeit” interpretiert werden kann. Aber auch diese Anhänglichekeit betrifft nicht alle Adoptionen. Manche Tiere sind einfach Eigenbrötler*innen, oder sie sind einfach nicht verkuschelt. Und was dann?

Bin ich dann enttäuscht und distanziere mich emotional von dem Tier in meiner Obhut, oder nehm ich es so, wie es ist und liebe es trotzdem? Vor dieser Wahl hab auch ich gestanden.

Lucy war nicht anhänglich, sie war auch nicht sonderlich kuschlig. Sie hatte enorme Verlustängste und hat in jedem Moment kontrolliert wo ich bin. Aber Körperkontakt hat sie kaum ertragen. Wenn sie mal 5min kuscheln kam, brauchte sie danach Stunden Abstand.

Dafür konnte man mit ihr jeden Mist machen draussen: war mit ihr ständig im Wald, nahm sie mit an die Ostsee oder Scherben suchen auf einem Berg – klettern, im Dreck wühlen, über Bäume kriechen – bei allem war sie am Start. Und das war toll, denn mich plagte ja jahrelang eine Agoraphobie.

Agoraphobie (Platzangst) ist eine häufige Angststörung, gekennzeichnet durch Furcht vor Situationen ohne Fluchtmöglichkeit oder Hilfe, wie in Menschenmengen, auf Plätzen oder in Öffis. Symptome umfassen Panikattacken, Herzrasen und Schwindel, was oft zu starkem Vermeidungsverhalten führt. Betroffene meiden angstauslösende Orte, was bis zur sozialen Isolation führen kann.

So ging es auch mir. Bis hin zu der fast kompletten Vermeidung des Verlassens meiner Wohnung. Mein damaliger Job, das Modeln, war kaum mehr möglich, Kontakte auch zunehmend schwieriger. Also ging ich nach Dresden, weg aus dem stressigen Berlin, und begann dort eine Angsttherapie. Auch zu dieser Zeit: Lucy kam in mein Leben.

Ich war arbeitsunfähig und dachte es wäre der beste Moment für eine Adoption. So konnte ich mich ihr und ihren Bedürfnissen viel widmen, hatte Zeit für die Eingewöhnung und generell Kapazitäten. Das war auch alles gut und richtig so. Schlecht sollte irgendwann sein, dass sie nie alleine bleiben musste, denn so lernte sie es nie wirklich.

Dass sie also nicht alleine bleiben kann, wurzelt in ihrer enormen Verlustangst und dazu darin, dass ich es ihr nicht gut beigebracht habe. Ich weiss, dass ich da einen Fehler gemacht habe, bin aber gleichzeitig gnädig mit mir, denn ich erinner mich noch gut, was es mich für Kräfte gekostet hat die Wohnung überhaupt zu verlassen.

Das Gassigehen zwang mich dazu, aber ich war stets angespannt, überzogen mit Angstschweiss, der ganze Körper in Panik-Mode (Panic Mode). Da noch zusätzlich die Wohnung zu verlassen, nur damit sie es lernt, war mir schlichtweg nicht möglich. Kleinere Übungen machte ich – Jacke an, Jacke aus, kurz raus etc. Aber die großen Übungen verpasste ich.

Nun kann sie es leider nicht so gut. Was solls! Ich hab mich damit arrangiert, schließlich sind wir schon fast 10 Jahre zusammen.

Bei Hundesitter*innen fällt es ihr sogar oft leichter mal alleine zu sein, diese enorme Angst vor Trennungen hat sie nur mit mir. Ich kann nicht mal den Raum verlassen ohne dass sie nach mir schauen muss. Nun gut, ich renn auch ständig überall gegen, fall ständig um oder schmeiss Sachen runter, schneide mich etc. – vielleicht ist es nachvollziehbar, dass sie sich Sorgen macht. Denkt sich wahrscheinlich: “DIE ist nicht überlebensfähig, ich schau mal lieber nach ihr!” 😀

Leider kommen und gehen Hundesitter*innen immer wieder, was die Situation mit ihrer Unterbringung dann immer wieder erschwert. Beziehungsweise änderte sich auch meine Arbeitssituation hin und wieder die letzten Jahre, so dass dies dann Probleme verursachte. Aktuell erlaubt die Hochschule, an der ich arbeite, zum Beispiel nicht, dass ich sie mitnehme. Ich verstehe es nicht und finde es übertrieben, aber ich kann nichts machen!

Hätte ich verlässliche Hundersitter*innen, die sie einfach neben sich hinchillen lassen bis ich von Arbeit komme, dann wäre es ja kein Problem. Aber leider gestaltet sich das schwierig. Wie das Leben halt so spielt, ziehen sie weg, starten irgendwo neu, bekommen Kinder oder oder. Und dann ist wieder eine*r weg und ich such neu. Belastend.

Aber gut. So ist es halt.

Insgesamt haben wir uns aber gut zusammengefunden. Ich hab sie so genommen, wie sie ist und sie…ähm verurteit mich für alles, was ich mache, aber liebt mich irgendwo, irgendwie trotzdem. 😀 Nicht wiedersprechen! Wir lassen mir einfach diese Hoffnung.

Ich habe ihren starken Charakter und ihre Frechheiten irgendwann einfach lustig genommen und dies dann auch auf Instagram mit Follower*innen geteilt. Sie brachte unzählige Menschen zum Lachen. Und sie ist auch lustig….

Zum Beispiel ihr Blick und die Art, wie sie meine Hand runter drückt, weil sie gerade halt einfach nicht gestreichelt werden will:

Ich mein, welcher Hund macht das? Hahahahhahahaha.

Auch lustig, wenn sie sich auf der Wiese rumsiehlt, dann tritt sie immer mit den Beinen in die Luft und grunzt wie ein kleines Schweinchen. Oder wenn sie wie ein Baby mit Stöckchen spielt. Sie wirft ihn dann alleine in die Luft und freut sich.

Ihr Blick, wenn ich singe….

….oder tanze:

Ihr Blick, wenn sie mit meiner Mutti zusammen ist (ihr Lieblingsmensch):

Ich könnte wegen all diesen Sachen auch wütend sein, beispielsweise darüber dass sie lieber mit sich selber als mit mir spielt, oder meine Mum lieber hat als mich, dass sie mich ständig verurteilend anschaut, wenn ich mal singe oder tanze oder nur zu laut atme. 😀

Sie geht genervt schniefend aus dem Raum, wenn ich weine. Stellt euch mal vor, wenn ich im Internet so Videos sehe von Hunden, die ihre menschlichen Begleiter*innen trösten!!! Sowas….

Pah….muss alles gelogen sein! Fake-Videos! 😉

Man könnte also in meiner Situation wütend oder enttäuscht sein. Aber ich hab es eben gelernt lustig zu nehmen.

Und süss ist sie mittlerweile auch jeden Tag, zum Beispiel wenn sie einen so anschaut:

Oder die Momente, die sie schmusen will:

Oder wenn der Kopf so schwer ist, weil sie müde wird:

Ok, genug mit den Bildern! 😀 Ich liebe sie halt…  Da kann es nicht genug Bilder geben! Mein Handyspeicher sieht das anders. 😀 😀 😀

Nun habt ihr aber eins sicherlich gemerkt: wie gern ich sie hab und vielleicht auch etwas, wie lieb sie mich wiederum hat, auf ihre Art. Wir lieben uns und sind zusammen gewachsen.

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Nun ist sie leider langsam in einem Alter, in dem Alterskrankheiten auftauchen (fast 11) und so geht es auch bei ihr los.

2024 hatte sie ihre erste Zahn-OP, in Kombination mit der Entfernung 2er kleiner Gewächse. Es war so schlimm – für sie natürlich, aber auch für mich. Sie so zu sehen alleine – diesen immer frechen Hund, jetzt so klein, hilflos und verletzt. Es war furchtbar!! Aber es musste gemacht werden, also haben wir es durchgezogen.

Ich hatte frei genommen und habe sie gesund gepflegt, Tag und Nacht. Leicht war das nicht, denn der Arzt hatte weder Antibiotika, noch Schmerzmittel mitgeben. Mittlerweile weiss ich wie kacke das war, aber damals hatte ich keine Ahnung und hab so alles getan, was mir alleine möglich war, um sie wieder gesund zu bekommen.

Nun musste sie Ende 2025 bereits wieder operiert werden.

Und es war genau das Gleiche wieder – Gewächse und Zahn-OP. Dieses Mal hat sie es leider noch schlechter weggesteckt, als das Jahr zuvor, obwohl sie dieses Mal vernüftig(e) Medikamente zur Unterstützung der Heilung bekam. Ich mag keine Bilder von ihr zu dieser Zeit anhängen. Behaltet lieber die süssen und lustigen Bilder von ihr im Kopf!

Sie hatte sich kaum erholt von der OP, wurde sie auf einmal inkontinent und hatte hohes Fieber, dass auch trotz Medikamenten anfangs nicht runter gehen wollte. Aber auch das haben wir überstanden und sie ist wieder die Alte – frech, fit und mich verurteilend. Das ist beruhigend.

Aber es war eine harte Zeit. Dezember 2025 und der Jahreswechsel waren eine reine Qual! Dabei hatte ich einen runden Geburtstag. Aber nach feiern war mir nicht so.

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Zu den Sorgen um sie, wurde ich von den Kosten erschlagen. Die Tierarztkosten generell hatten zugenommen in diesem Jahr und die neue Praxis war besser, aber auch teurer, das wusste ich, aber dass es gleich 3-4 mal so teuer werden würde, das war ein Schock.

Zum Glück gab es unsere Follower*innen auf Instagram (www.instagram.com/mel_riot), die uns Geld für die Kosten spendeten. Wir sind so dankbar für diese Unterstützung, also ich speziell. Lucy versteht es ja nicht, was ihr getan habt. Aber dafür ich umso mehr. Vielen lieben Dank an alle, die das betrifft.

Bis auf Zeiten, in denen ich in Beziehungen war, die mal mehr – mal weniger für Lucy sorgten, versorge ich sie ja komplett alleinekomplett alle Kosten und jede Aufgabe, die ein Hund halt mit sich bringt. So ist das halt, wenn man sich entscheidet für ein Tier. Aber das heisst ja nicht, dass es immer leicht ist oder dass man sich manchmal nicht (mehr) Hilfe wünschen würde.

Dazu helfe ich ständig anderen Menschen, versorge verletzte Tiere, helfe meinen Nachbar*innen mit Katzensitting oder anderem aus, unterstütze meine Studierenden bei all ihren Sorgen, damit sie durch das Studium kommen trotz Sorgen und Krankheiten. Und obendrein bin ich halt selber auch chronisch krank.

Es ist manchmal wirklich sehr viel alles! So war es wirklich schön, wenigstens die finanziellen Sorgen etwas mit Anderen zusammen zu tragen. Auch meine Mutti war wieder an meiner Seite, wie oft in solchen Momenten. Wüsste manchmal nicht, was ich ohne sie machen würde!

Daher hab ich diesen Beitrag geschrieben. Ich wollte zum Ausdruck bringen, wie lieb ich diesen Hund habe, was für eine Art Beziehung wir teilen und daher auch was es mir bedeutet hat, dass ihr uns unterstützt habt…mit lieben Worten und/oder Geld. Ich hoff es ist mir gelungen. Danke an alle Spender*innen von Geld und Liebe/offenen Ohren!

  • Elisa B.
  • Julia M.
  • Florian M.
  • Kira P.
  • Rebecca S.
  • Stefan L.
  • Mandy S.
  • Steffi K.
  • Bea B.
  • Jana A.
  • Monique D.
  • Raik B.
  • Marie W., Sebb und Zelda
  • Juliette G. und Alva
  • Jessica R.
  • Marlon U.
  • Neele L.
  • Maria S.
  • Steven J.
  • Theodor R.
  • Malte O.
  • Paula L.
  • Silja P.
  • Victoria B.
  • Luisa R.
  • Peter K.
  • Julia W.
  • Julia H.
  • Robert D.
  • Jan M.
  • Sascha K.
  • Marina P.
  • Silvio und Lisa
  • Michael S.
  • Virgenie W.
  • Michael W.
  • Natalie B.
  • Nadine K.
  • Jennifer S.
  • Luise R.
  • Diana R. S.
  • Jenny M.
  • Philipp R.
  • Jennifer R.
  • Natalie H.
  • Nina H.
  • jemanden, den/die ich vergessen habe – nicht übel nehmen <3

So denn will ich auch schließen für heute. Ich bin froh euch zu haben…..und froh Lucy zu haben. Ich hoff auf noch viele Jahre mit ihr und dass wir euch noch oft zum Lachen bringen!

Lucy und Melinda <3

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